Aufführungsrechte: Verlag - Felix Bloch Erben http://www.felix-bloch-erben.de/
Historischer
Hintergrund:
Odowaker, ein germanischer Söldnerführer, wurde im Jahre
476 von seinen Truppen nach dem Einmarsch nach Italien zum König
erhoben. Er setzte den letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustus
ab. Man kann dies als das Ende des weströmischen Reiches betrachten,
denn es wurde ein römisch-germanisches Italien geschaffen, welches
von Germanen regiert wurde. Odowaker anerkannte aber die Oberhoheit
des oströmischen Kaisertums.
Zum Inhalt:
"Romulus der Große" dürfte Dürrenmatts komischstes
Stück sein -- und auch eines seiner pessimistischsten. In seiner
"ungeschichtlichen historischen" Komödie macht er aus
dem letzten Kaiser Westroms, dem 16jährigen Romulus Augustulus
(also dem mehrfach verkleinerten Augustus) einen menschlichen, großen,
lange Zeit regierenden Kaiser, der das Wesen großer Reiche durchschaut
hat. Romulus der Große lehnt es ab, weiter ein Weltreich am Leben
zu erhalten, das sich nur aufgrund von Unterdrückung und Blutvergießen
halten kann, und hat in den 20 Jahren seiner Herrschaft durch vorgebliche
Trottelhaftigkeit das Reich zielstrebig ruiniert. Sollen es doch die
Germanen übernehmen. Padua haben sie ja schon...
Dürrenmatts Stück spielt in den letzten Tagen von Romulus'
Regierung. Alles geht seinen gewohnten Gang: Das Staatsoberhaupt widmet
sich innig der Hühnerzucht (alle Hühner sind nach römischen
Kaisern benannt, und am besten von allen legt Odoaker...), während
seine Frau vergebens seinen Ehrgeiz wecken will. Seine Tochter studiert
klassische Tragödien, Kunsthändler und Hosenfabrikanten forcieren
den Ausverkauf des Reiches, Kriegs- und Innenminister halten geschäftig
den Schein aufrecht, ein Staatswesen zu leiten, und die tatsächlich
wichtigen Amtsträger bei Hofe sind der Koch und die beiden Kammerdiener.
Diese imperiale Idylle wird nun gestört -- der byzantinische Kaiser
samt Kammerdienerinnen und byzantinischem Hofzeremoniell ersucht um
Asyl, der lange verschollen geglaubte Verlobte von Romulus' Tochter
konnte sich aus germanischer Gefangenschaft befreien, wo er Fürchterliches
durchgemacht hat -- und die Germanen rücken immer näher.
Aus diesem Zusammentreffen macht Dürrenmatt nun eine Komödie,
deren Komik auf allen Ebenen funktioniert. Situationskomik und bitterböse
Satire sind ineinander verschränkt, und aus den aberwitzigen Situationen
ergeben sich am laufenden Band Sätze wie "Es schreit ein jeder
Innenminister auf, wenn man auf die Gerechtigkeit anstößt".
Allerdings bleibt Dürrenmatt nicht stehen beim komischen Untergang.
Zum Autor:
Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921 in Bern geboren.
Sein Vater war protestantischer Pfarrer. 1941 schloss er das Gymnasium
erfolgreich ab, worauf er Philosophie, Literatur und Naturwissenschaften
studierte. Sein erstes Theaterstück "Es steht geschrieben",
wurde um 1947 aufgeführt, kurz nachdem er die frühere Schauspielerin
Lotti Geissler heiratete. Mit 34 Jahren gelang im der Durchbruch zur
Weltgeltung als Bühnenautor mit der Komödie "Der Besuch
der alten Dame". Weitere wichtige Daten waren beispielsweise der
Schillerpreis der Stadt Mannheim (1959), der Schillerpreis der Schweiz
(1960) und "Die Physiker" (1962). 1978 zog der Autor sich
aus der Theaterarbeit zurück. Am 14 Dezember 1990 starb Dürrenmatt.
Rezensionen:
Max Frisch / Die Weltwoche, Zürich
»Es scheint mir entscheidend, daß Dürrenmatt nicht
einfach den Ausverkauf einer Kultur zeigt, was eine zynische oder sarkastische
Farce lieferte und weiter nichts, sondern im Mittelpunkt einen Menschen,
der diesen Ausverkauf vollzieht im Sinne einer Erkenntnis, im Sinne
einer unerschütterlichen Bejahung, die allein alles andere was
geschieht als Komödie erscheinen läßt. Woher aber die
Bejahung? Zweierlei ließe sich denken. Ein Revolutionär,
der den Untergang einer Kultur bejaht, weil er eine bekömmlichere
erwartet; nur ist die Bejahung der Revolutionäre, wie es scheint,
selten so krampflos, daß ihnen das Verneinte wirklich zur Komödie
würde. Wieviele Revolutionäre gibt es, die Humor haben? Das
andere ist die Bejahung, wie sie Dürrenmatt besitzt, die religiöse;
nur wissen wir, daß das Religiöse, wo es ernst wird, immer
eine erschreckende Erscheinung ist, ein Ding, das nicht unterzubringen
ist in unserer christlichen Gartenlaube, ein Ärgernis.«
Howard Taubman / The New York Times
»Mit einem Sinn für Absurdität, hinter dem sich Reife
und Intelligenz verbergen, macht sich Romulus der Große lustig
über die Aufgeblasenheit der Vergangenheit und wirft einige scharfsinnige
Blicke auf die Gegenwart.«
Gilles Plazy / Le Monde, Paris
»Das Stück von Dürrenmatt ist schön, breit angelegt,
reich an allen Tönen der Tragikomödie, voll von zeitnahen
Resonanzen.«
Elisabeth Brock-Sulzer
»Wer sind Dürrenmatts künstlerische Ahnen? Ein Äschylos,
ein Shakespeare, ein Cervantes, Swift, Nestroy, Büchner, Kleist,
Hieronymus Bosch, Brueghel; und wäre das mittelalterliche Theater
noch lebendiger Gemeinbesitz - man müßte es erwähnen
in dieser Vergleichsweise. Also alles barbarisch Kluge, alles, was durch
irgendeine Form von »Protestantismus«, hindurch seine Sinnlichkeit
bewahrt hat.«
Die Darsteller
| Romulus Augustus – Kaiser von Westrom |
Markus John |
| Julia – seine Frau |
Elfriede Stettmeier |
| Rea - seine Tochter |
Josepha Wimmer |
| Zeno – Kaiser von Ostrom |
Jürgen Radius |
| Ämilian – römischer Patrizier |
Florian Maruschke |
| Mares – Kriegsminister |
Horst Müller |
| Tullius Rotundus – Innenminister |
Paolo Schulze |
| Spurius Titus Mamma – Reiterpräfekt |
Alexander Vitzthum |
| Achilles – Kammerdiener |
Rolf Jenzig |
| Pyramus – Kammerdiener |
Gökan Sennli |
| Apolonia – Kunsthändlerin |
Johanna Gammel-Kollmannsberger |
| Cäsar Rupf – Industrieller |
Hans Stettmeier |
| Odoaker – Fürst der Germanen |
Michael Franz |
| Theoderich – sein Neffe |
Wilkin Herrmann |
| Phosphorida – Zeremonienwächterin |
Anna Stettmeier |
| Sulphurida – Zeremonienwächterin |
Daniela Meinelt |
| Koch |
Herbert Kramkowsky |
| Mares’ Adjutant/ Bote |
Simon Kollmansberger |
| Phylax |
Karsten Hinrichs |
| Regie |
Karsten Hinrichs |
| Regieassistenz |
Barbara Aschenbrenner |
| Bühnenaufbauten |
Herbert Kramkowski & Team |
| Souffleuse |
Christiane Müller |
| Maske |
Cäcilia Probst |
| Film/Foto/Ton/Beleuchtung |
Johannes und Hans Stettmeier, Stefan Schlecht, Stefan Lastowitza,
Florian Fischer |
| Satz/Graphik/Programmheft |
Graph. Betrieb W. Hellmich / Irene Herrmann |